Tuma sa feesa Freunde! Heute habe ich die Antworten von Ian Rolf Hill a.k.a. Florian Hilleberg für euch dabei. Holt euch schon mal einen Tee, denn Florian hat ganz viel zu erzählen und sich extra viel Zeit genommen, um die Fragen zu beantworten.

Ian Rolf Hill (eigentlich Florian Hilleberg) ist ein Autor, der seit 2016 für die Maddrax-Serie schreibt.
Florian Hilleberg wurde 1980 in Uelzen geboren. Er studierte Forstwirtschaft und schloss eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger ab. Seit seiner Jugend interessiert er sich für Literatur im Horror-Genre, die er seit einigen Jahren auch rezensiert. Seit 2015 schreibt er für die Romanserie John Sinclair des Bastei-Verlags. Einer dieser Romane soll übrigens demnächst in einem Projekt vom Offenen John Sinclair Fan Club als Hörbuch vertont werden!

Und die volle Ladung seiner Publikationen findet ihr natürlich auf seiner Website.

Florian ist sehr häufig im Sinclair Night Talk zu Gast. Wer Florian lieber über MADDRAX sprechen hört, hat beim PODDRAX eine gute Anlaufstelle. Ich hatte zwar noch nicht die Gelegenheit ein Interview mit ihm aufzunehmen, aber er hat bereits mehrere gute Romanvorschauen für den PODDRAX abgegeben. Etwas beim PODDRAX 18 wo es eine Vorschau auf seinen letzten MX Band 578 gab oder beim PODDRAX 16 wo er und aus MX Band 574 vorlas oder PODDRAX 14 wo er aus MX Band 572 las. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte oder einfach auf Cat-Content steht, muss Florian bei Facebook und Insta folgen. Und die volle Ladung seiner Publikationen findet ihr natürlich auf seiner Website.


Frage 1: Wie bist du dazu gekommen, für Maddrax zu schreiben?

Ian Rolf Hill: Ganz einfach: Ich wurde gefragt 😉 Nächste Frage.
Hm, also gut. Machen wir es ausführlicher, aber genau so war es im Prinzip. Ich hatte gerade angefangen für JOHN SINCLAIR zu schreiben und war mittlerweile ein Jahr dabei, als Mad Mike die Sinclair-Redakteurin Britta fragte, ob sie Autoren hätte, denen sie auch MADDRAX zutrauen würde. „Zutrauen“ bedeutet jetzt erst einmal nichts anderes, als dass du bei MADDRAX viel enger in den Gesamtverlauf der Serie eingebunden wirst und noch stärker auf die Abgabetermine achten musst. Bei JOHN SINCLAIR habe ich beispielsweise noch nie einen Abgabetermin bekommen. Obwohl das auch nicht ganz richtig ist. Bei so speziellen Sachen wie dem Jubiläumsband zum vierzigjährigen Bestehen der Serie („Willkommen im Shocking Palace“) musste ich natürlich schon zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein, aber selbst der war nicht so eng getaktet wie ein herkömmlicher MX.
Dann muss sich die Autorin oder der Autor ja auch noch hinlänglich in der Serie auskennen und sich ggf. in den aktuellen Zyklus einlesen. Und das war bei mir nun einmal der Fremdweltzyklus. Meine Fresse, das war schon ein ordentliches Stück Arbeit. Als ich das Gesamtexpo zugeschickt bekam, habe ich gedacht: „Das schaffst du nie!“
Eine zusätzliche Herausforderung war, dass ich kein Einzelabenteuer bestreiten durfte, nein, ich wurde gleich für den dritten Teil einer Trilogie eingeplant. Und nein, da fühlte ich mich keineswegs geschmeichelt, weil ich dazu viel zu aufgeregt war. Am schwierigsten gestaltete sich die Arbeit am Expo, und das hat sich bis heute nicht geändert 🙂
Auf jeden Fall war mein Erstling „Flucht von Exxus“ kein kompletter Totalausfall, denn seitdem habe ich immerhin vierzig Romane zur Serie beigesteuert.

Bei dem Versuch, die Gewalt über den Zentralcomputer zurück zu erlangen, gerät Aruula in die Fänge eines wahnsinnigen Maschinenwesens und dessen Adlatus, die vor den Friedenswahrern nach EXXUS geflohen sind.

Frage 2: Hast du ein spezielles Schreib-Ritual? Brauchst du einen ganz bestimmten Tee/Kaffee/Snack, um anzufangen?

Ian Rolf Hill: Üblicherweise beginnt mein Tag mit einem ausgiebigen Frühstück, bei dem ich mit Krümel auf dem Schoß zirka eine halbe Stunde Youtube-Videos anschaue (ich liebe beispielsweise Streetphilosophy mit Ronja von Rönne, Psychologeek oder auch Johnny’s World; und jeden zweiten Sonntag natürlich den John Sinclair-Nighttalk mit Hennes Bender). Außerdem brauche ich morgens starken Kaffee.
Beim Schreiben selbst ist allerdings Ruhe angesagt. Keine Musik und am besten auch keine anderen Umgebungsgeräusche.

Florian Versorgt uns sowohl auf Facebook als auch auf Instagram sehr zuverlässig mit Cat-Content. Folgen lohnt, garantiert!

Frage 3: Auf welchen deiner MX-Romane bist du besonders stolz und warum?

Ian Rolf Hill: Stolz bin ich auf jeden, weil jeder Roman irgendwie anders ist. Selbst wenn es ein Roman ist, bei dem ich mich wenger frei entfalten kann, weil er einfach bestimmte Sachverhalte für den aktuellen Zyklus abhandeln muss. Dann bin ich stolz, dass ich es trotzdem geschafft habe 🙂
Aber besonders stolz bin ich auf drei bestimmte Romane.
Da wäre zum einen Band 518 „Taratzen!“. Ich liebe Taratzen. Und eine ganze Welt mit ihnen zu schildern und sie nicht nur als animalische Bösewichte zu vebraten war für mich ein echtes Highlight. Dazu Parii als Kulisse, Herz was willst du mehr?
Ich mochte das Gekabbel zwischen den Menschen und den Taratzen, die eine gewisse Kameradschaft implizierte („Teine Muttaaa!“). Aber vor allem mochte ich die Story von Karmii und Mirosch. Der Twist mit Lussia fiel mir übrigens erst während des Schreibens ein und stand so nicht im Expo. Ich hab es einfach drauf ankommen lassen.

In Paris erscheint ein Stück einer Parallelwelt, in der die Taratzen die außerirdischen Daa’muren besiegt haben und nun als intelligenteste, telepathisch begabte Spezies die Erde beherrschen. Die Menschen spielen hier eine untergeordnete Rolle als Sklaven und Haustiere. Das stellen auch MattAruula und Rulfan fest, als sie in dem Areal landen.

Dann ist da natürlich Band 554 „Haaley“. Als Mike mich fragte, ob ich nicht Bock hätte einen Charakter wie Harley Quinn in die Serie mit einzubauen, war ich natürlich Feuer und Flamme, aber auch ein wenig skeptisch, ob es mir gelingt, so eine spleenige Figur authentisch zu beschreiben. Zumal ich jetzt nicht der riesengroße Smythe-Fan bin. Aber in diesem Fall passte es wie Arsch auf’n Eimer. Ich liebe Haaley. Sie ist einer der wenigen Charaktere, die wirklich ein Eigenleben entwickelt haben. Und zwar so krass, dass ich jedes Mal beim Schreiben aufpassen muss, dass sie mir nicht entgleitet. Sie ist für mich der Prototyp der Antiheldin. Manchmal skrupellos bis in die Haarspitzen, aber wenn es drauf ankommt hat sie das Herz doch am rechten Fleck. In ihrem Debüt passte auch die Aufteilung des Romans in drei Akte perfekt. Außerdem ist es einer der wenigen MADDRAX-Romane, die fabelhaft als Stand-Alone funktionieren. Vielleicht auch gerade weil der Serienheld nicht mitmischt.
Gleich im Anschluss folgt Band 557 „Der Sklavenhändler“. Ich mochte Vasraa schon immer. Selbst auf Novis. Und eine etwas differenziertere Version von ihr aus einer Parallelwelt zu schildern hat mir enormen Spaß bereitet. Dabei stand anfangs noch gar nicht fest, wie groß ihre Rolle einst werden sollte. Aber da ich es schade gefunden hätte, die Straßenkinder von Sinsati aus Band 534 sang- und klanglos dem Vergessen anheim fallen zu lassen und King Curd auch noch sein Unwesen trieb, bot es sich an, die Handlungsstränge zu vermengen. Das ist das Schöne an MADDRAX, das Mike den AutorInnen auch freie Hand und Raum zur persönlichen Entfaltung lässt. An „Der Sklavenhändler“ gefiel mir, dass ich wieder zu den Wurzeln von Maddrax zurückkehren durfte. Wie im Prinzip bei „Haaley“ ja auch. Einfach eine kleine, dreckige, postapokalyptische Episode zu schreiben, ohne auf die großen Zusammenhänge achten zu müssen. Außerdem liebe ich es, Charaktere an ihre physischen und psychischen Grenzen zu bringen. Da bieten die Serienhelden einfach zu wenig Reibungsfläche. Wenn Leserinnen und Leser schon Schnappatmung bekommen, wenn einer Hauptfigur ein Fingerglied abgetrennt wird, kann ich da nur bedingt mitschwingen. Es mag albern klingen, aber ich finde es bezeichnend, dass heutzutage doch auf solche Äußerlichkeiten wert gelegt wird. Wir sprechen hier wohlgemerkt von einer fiktiven Figur. Und 2022 sollte keine Heftromanheldin und kein Heftromanheld nach ihrem Aussehen oder ihren Fähigkeiten be- oder verurteilt werden.
Vielleicht habe ich Vasraa deshalb diese fette Narbe verpasst, das weiß ich nicht. Wichtig war für mich aber auch ihre Interaktion mit Ida und den anderen Kids.Obwohl Vasraa und Haaley beide schwer traumatisiert sind, geht jede von ihnen anders mit diesem Päckchen um. Vasraa ist Soldatin mit entspechender Disziplin, Ausbildung und Ideologie. Wer oder was Haaley ist, wissen wir ja im Prinzip noch gar nicht, dafür ist sie als Erzählerin zu unzuverlässig. Aber ihre Kenntnisse der Popkultur lassen darauf schließen, dass sie zumindest aus einer Bunker-Community stammt, vielleicht sogar Retrologin ist oder war.
Das Highlight für mich war dann, beide Charaktere aufeinandertreffen zu lassen. Es macht einen Konflikt ungleich spannender, wenn zwei Feindinnen nicht nur Hassgefühle füreinander hegen, sondern auch gegenseitigen Respekt empfinden. Wie es schon bei Holmes und Moriarty der Fall war 😉
Worauf ich unabhängig von den Romanen stolz bin, ist die Erschaffung der Sauroiden beziehungsweise ihrer Kultur mit den beiden Rassen, den Szousss und den Rrukh, mit all ihren Konflikten und sprachlichen Besonderheiten

Frage 4: Welcher der vergangenen MX-Zyklen hat dir am meisten Spaß gemacht?

Ian Rolf Hill: Schwer zu sagen. Allzu viel Auswahl habe ich ja nicht, da der aktuelle Zyklus erst mein Dritter ist. Der Fremdwelt-Zyklus hat mir großen Spaß wegen des exotischen Settings bereitet. Und weil er meinen Einstieg bildete. Aber Exotik und Entfaltungsmöglichkeiten waren natürlich im Parallelwelt-Zyklus ungleich größer. Daher nenne ich mal diesen 🙂

Frage 5: Hast du eine Lieblingsfigur im Maddraxiversum?

Ian Rolf Hill: Nicht nur eine 🙂 Es wird wohl niemanden überraschen, wenn ich behaupte, dass Haaley, Parallelwelt-Vasraa und Kormak (das Original) meine Lieblinge sind. Und natürlich Rriikah, die Rrukh-Kommandantin.

Frage 6: Hast du schon mal in einem MX-Roman einen Menschen aus Deinem näheren Umfeld eingebaut und wenn ja, wen?

Ian Rolf Hill: Nein! Auf die Idee bin ich auch noch nicht gekommen. Außerdem kann man sich bei sowas auch viel zu schnell in die Nesseln setzen, wenn er oder sie sich nicht richtig beschrieben fühlt oder vielleicht eine unschönen Tod stirbt. Es fließen natürlich immer mal gewisse Charakterzüge mit ein, die ich von Menschen aus meinem Umfeld kenne. Ob näher bekannt oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Aber Charaktereigenschaften sind ja per se erst einmal nichts individuelles.

Frage 7: Wie nutzt du das Maddraxikon zur Recherche für neue Romane?

Ian Rolf Hill: Da ich nur die ersten hundert Bände als Leser kenne und erst mit Band 400 wieder eingestiegen bin, klafft eine erhebliche Lücke, die ich mit Hilfe von Mike und dem Maddraxikon füllen muss. Sehr geholfen hat es mir beispielsweise, als es um die Reenschas und die Wolkenstädte ging. Regelmäßig nutze ich es, wenn es um Flora und Fauna, aber auch die Sprache der Wandernden Völker oder bestimmte Locations geht.

Frage 8: Hörst du die neuen MX-Hörbücher aus Fanproduktion?

Ian Rolf Hill: Nein, dazu fehlt mir schlicht und ergreifend die Zeit.

Frage 9: Hast du in einem deiner Manuskripte schon mal eine Figur sterben lassen, deren Tod dann von Mad Mike gestrichen wurde?

Ian Rolf Hill: Nein. Dafür schreiben wir ja Exposés. Das Einzige, was regelmäßig passiert, ist, dass Mike die Art und Weise der Tötung entschärft. Ich glaube, es gibt keine unzensierten MADDRAX-Romane von mir. Betrifft aber nur die Gewalt, der Sex ist dringeblieben. 😉

Frage 10: Wann hast du zum ersten Mal auf die Frage: „Und was machst du so?“ mit „Ich bin Autor:in“ geantwortet?

Ian Rolf Hill: Das weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Das war bei mir ja ein fließender Übergang. Aber ich weiß noch, dass es sich gut anfühlte 😉

Frage 11: Was ist für dich das Besondere an der Serie Maddrax?

Ian Rolf Hill: Das Spiel mit der Frage: „Was wäre wenn?“ Das hat mir als Leser schon großen Spaß bereitet und tut es auch jetzt noch als Autor. In meinen ersten beiden Romanen habe ich mich auf völlig fremden Welten herumgetrieben, was auch seinen Reiz hatte. Doch am meisten Spaß macht es, wenn ich beschreiben kann, wie sich bekannte Örtlichkeiten und Städte im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben. Was für Mutationen sich dort tummeln oder welche Gesellschaften sich entwickelt haben (siehe Band 534 „Melange“). Und damit kommen wir zur Standardantwort: Der Genre-Mix. Die Serie macht einfach einen Riesenspaß und ist unglaublich vielfältig. Oder um es mit den Worten von Mister Spock zu sagen: „Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination. Faszinierend!“


Leider konnte Fidel Castro beim Beantworten diese Fragen nicht mehr helfen. Aber er wacht über uns am Ende der Regebogenbrücke. RIP Süßer!

In dieser Serie sind bisher Antworten von folgenden Autoren erschienen:
Michael Schönenbröcher
Michael Markus Thurner
Oliver Müller
Uschi Zietsch
Stefan Hensch

selberlesen macht schlau